Ein Leben als Gastfahrer


Im Jahre 2006 lernte ich im Kindergarten meiner Tochter einen Typen Namens „Andrè“, genannt „Anni“ kennen,

 der dort ebenfalls sein Kind untergestellt hatte. Da sich unsere Kinder anfreundeten kam man sich schnell näher.

Anni“ schwärmte ständig von seiner Schwalbe  (was zum Henker ist eine Schwalbe ?!? ).

 Hatte ich mich doch mit solch einer Art Gefährt nie beschäftigt.

Anfänglich von mir belächelt, war ich doch ein echter Biker mit schwerer Maschine und Mitglied in einem Motorradclub, 

stellte ich aber schnell fest, dass „Anni“ ein verdammt cooler Typ ist.

Ab und zu kam er dann auch mit seiner blauen Schwalbe bei mir vorbei 

und ich konnte mir das gute Stück auch mal aus der Nähe anschauen.

meine


Er trug dabei eine mir sehr bekannte Jacke, die Ihn durch einen Rückenaufdruck

eindeutig als Mitglied des Schwalbeclub Elbmarsch auswies.

Genau die gleiche Jacke hatte ich mir vor Jahren bei einem Motorradbekleidungsshop

als Sommerjacke gekauft. Ich konnte damals ja noch nicht ahnen, 

wozu das mal gut sein würde.


2009 kam es dann auch wie es kommen musste. Meine Frau wurde von Nachbarn angesprochen

ob wir unseren Bekannten (den Schwalbefahrer) mal fragen

könnten, ob er jemanden kennt, der eine Schwalbe kaufen möchte.

Da dies kurz vor meinem Geburtstag war, hatte ich ein überraschendes,

supergeiles Geschenk von meiner Frau bekommen.

Eine Schwalbe KR51/2

im Schuppen



Mangels wissen über diese „filigrane“, „hochwertige“ Technik der Schwalbe 

holte ich mir sofort Rat und Hilfe bei meinem Freund „Anni“.

Kaum war der Besitz einer Schwalbe in „Anni’s“ Ohr vorgedrungen, 

stand er auch schon in meiner Garage. Den Zustand der Schwalbe würde ich eher als 

heruntergekommen bezeichnen. Aber „Anni“ machte mir Hoffnung 

und sah in der Schwalbe nur das Gute. Tatsächlich brachte er sie auch nach kurzer Zeit

zum Laufen und ich konnte meine erste Probefahrt unternehmen.

Mein Leben als Schwalbe Fahrer hatte begonnen.

dirk

Für größere Touren war die Schwalbe aber noch nicht geeignet. Also wurde die Idee geboren, sie komplett zu restaurieren.

Auf „Anni‘s“ 40. Geburtstag hatte ich dann auch schon mal den ersten Kontakt

mit den „Vögeln“ vom Schwalbeclub Elbmarsch. War ein ziemlich wilder

Haufen, der mich stark an meine Kumpels vom MC erinnerte.

Die ersten Sympathien wurden schon mal ausgetauscht.

Im Winter 2009 wurde die Schwalbe dann zerlegt und restauriert. Ich habe zwar viel selber

auseinandergeschraubt, und jedes Teil der Schwalbe mindestens

einmal in der Hand gehabt, aber ohne meinen Kumpel „Anni“ 

würden die Teile heute noch in einer großen Wanne liegen.

Wir hatten beim Schrauben so viel Spaß, das „Anni“ seine Schwalbe

auch gleich zerlegt hat, um ihr ein neues Aussehen zu verpassen.

Somit waren die Abende gesichert und die ein oder andere Hopfenkaltschale wurde dabei verzehrt.

Spätestens jetzt fing meine Frau an, ihr Geschenk zu bereuen.


Im Frühjahr 2010 hatten wir dann zwei wunderschöne Schwalben fertig montiert und fahrbereit.

beide

Durch unsere Schrauberei entwickelte noch ein weiterer Freund, der Thorsten, 

seine Liebe für die Schwalbe und hat sich kurzer Hand, ein äußert

hässliches und verbasteltes Exemplar zugelegt.

heili

Aber auch den Vogel habe wir dann ganz ordentlich hinbekommen.

heili2

Als erste große Ausfahrt fuhren wir ein Simsontreffen in Reith an, 

wo wir natürlich die schönsten Schwalbe Exemplare hatten.

reith


Dann war es auch irgendwann soweit, dass ich den logo richtig kennenlernen musste.

Also wurde eine Ausfahrt zum Clubabend geplant, der jeden dritten Freitag eines Monats in Marschacht stattfindet.

Eine Stunde dauerte die Fahrt in die Elbmarsch und dort erwartete mich ein alter Bauwagen auf einem Hinterhof.

tonnetonne2

War ich doch durch unser Clubhaus etwas verwöhnt, stellte ich aber wieder mal fest, 

dass Äußerlichkeiten hier keine Rolle spielten. Die geilsten Partys

finden in der kleinsten Hütte statt und bei Lagerfeuer und reichlich „Goldkrone“ war es ein super Abend.

Und da waren ja noch die anderen schrägen Vögel des Schwalbeclubs, die zum Gelingen des Abends beigetragen haben:

Andi „Der Koch“, immer Vollgas auf der Schwalbe, keine Angst, keine Rücksicht

andy

André „Klante“, würde gerne schnell fahren, aber ohne seine Steffi geht da nix

klante

Holger „Holli“, steht ständig unter Strom und ist immer der letzte am Tresen

holly

Kay einfach nur „Kay“, ein echter Kumpeltyp, aber sonst der Schrägste von allen

kay

Matthias „Matze“, der Mann für die Unterhaltung, immer vorne mit dabei

matze

Michael „Ziggel“, glaubt seit jeher, er wäre der schnellste Schwalbefahrer der Welt

ziggel

Rainer „Raini“, der Planer, muss ständig allen beweisen das er die schnellste Schwalbe hat

raini

über André „Anni“ hab ich ja schon genug berichtet, wir sind mit dem Schwalbespeed auf gleichem Level

anni

Diesem Clubabend folgten dann noch weitere, ebenso intensive, bis man mich fragte,

 ob ich nicht Lust hätte mal an der jährlichen Clubausfahrt als Gastfahrer mitzufahren.

Kurz überlegt und Urlaub genommen, war es dann 2011 soweit.

Es ging nach Berlin, genauer nach Groß Köris. Schwalben erobern die Hauptstadt.

berlin

Die Unterkunft war Top ausgesucht, direkt an einem Kanal mit Klappbrücke für nostalgische Momente.

Das ich ausgerechnet im 15. Jubiläumsjahr mitfahren durfte, war natürlich eine besondere Ehre.

Mit „Anni“ vorher noch schnell eine Überraschung vorbereitet,

war bei dessen Präsentation wohl das letzte Eis gebrochen.

t shirt

Es war eine supergeile, spaßige und auch sehr feuchte Woche. Von innen wie von außen. 

Und schnell war natürlich der Schuldige für das Regenwetter gefunden: 

der Gastfahrer !!

Es hatte ja vorher noch „nie“ auf der Ausfahrt geregnet. 

Aber am Ende hatten sie mich wieder lieb und ich durfte wiederkommen.

Damit war ich dann als Gastfahrer gebucht und freue mich schon jedes Jahr auf die Ausfahrt 

und fiebere schon Wochen vorher dem Abfahrtstermin entgegen.

Mittlerweile hat man sich auch an die Verrücktheiten eines jeden einzelnen gewöhnt,

und davon gibt es verdammt viele. Hierbei ins Detail zu gehen würde zu weit führen,

dass muss man einfach erlebt haben. Sicherlich könnte ich auf einzelne Erfahrungen verzichten, 

aber die gehören einfach dazu und machen diesen Club und seine Ausfahrten zu einem einzigartigen Erlebnis.


Bis zur nächsten Ausfahrt

Euer

Dirk „Müllermann“

dirk